AVV-VVK

 Alles für Flandern – Flandern für Christus

Flandern, Tag und Nacht denk' ich an dich wo ich auch bin und fahr', du bist mir allzeit nah“.
(Hoffmann von Fallersleben, 1854)

 

Am Abend eines erlebnisreichen Tages saßen wir mit unseren Gastgebern am Pinksterfeesten im Pius-X-Institut in Zele/Flanderen beim Bier. Wir berichteten von unserer Halbtagestour nach Waterloo mit der Besteigung des Löwenhügels und der Besichtigung des Panorama-Museums von Napoleons letzter Schlacht. Das Interesse unserer Gastgeber flaute zusehends ab. „Warum fahrt ihr nach Wallonien? Flandern ist doch viel schöner!“

Am nächsten Tag fuhren wir nach Diksmuide und besuchten den Ijzertoren, an dessen Spitze in Kreuzesform mit leuchtenden Buchstaben steht: „AVV-VVK“ (Alles voor Vlaanderen - Vlaanderen voor Kristus). Der Ijzerturm ist ein europäisches Friedensdenkmal, 84 m hoch und beherbergt in 22 Stockwerken ein Friedensmuseum. Als wir am Abend wieder beim Bier saßen, um von unseren Erlebnissen zu erzählen, und unsere Gastgeber die Anstecknadeln mit dem flandrischen Löwen, die wir am Ijsertoren gekauft hatten, sahen, war die Begeisterung groß.

 

Bei meinen vielen Besuchen in Zele durfte ich viele nette Menschen und geschichtsträchtige Städte mit großartiger Kunst und Kultur kennen lernen und eine großartige Landschaft. Flandern liegt im Schnittpunkt von drei Kulturen: der germanischen, der römischen und der angelsächsischen Kultur. Daher lassen Flamen Einflüsse von außen problemlos zu, sowohl in kultureller und kulinarischer als auch in gesellschaftlicher und beruflicher Hinsicht. Flamen sind  bescheiden und gastfreundlich, sie haben einen offenen Blick nach vorne und fast jeder Flame spricht eine Fremdsprache. Entgegen falscher Annahmen sprechen die Flamen weder Flämisch noch Belgisch, vielmehr sprechen sie Niederländisch. Obwohl Flamen zweifelsfrei weltoffen sind, vernachlässigen sie nie ihre eigene Sprache, den örtlichen Dialekt. Für sie ist interkultureller Kontakt und Mehrsprachigkeit eine Bereicherung und keine Bedrohung ihrer eigenen Identität.

 

 

Flandern das sind historische Städte. idyllische Dörfer, grüne Wiesen durchzogen von pappelgesäumten Kanälen und ruhigen Flußauen und von interessanten abwechslungsreichen  „Routen“: Polder Route, Beverhoutroute, Schmuggelroute, Hoppelandroute, Hoovelandroute. Viel Kultur und Kunst, Landschaft und Leute haben wir getroffen und die Eindrücke sind bleibend. Irgendwo in der Natur haben wir Brotzeit aus dem Kofferraum gemacht und dem Platz einen Namen gegeben: Restaurant im Auwald, zur Windmühle, in der Lagerhalle, zur Popelire, am stinkenden Silo. Abseits von ausgebauten Straßen mit „wegomlegging“ entlang manchem „fietspad“ haben wir Flandern erkundet.

Auf einer der Routen kamen wir zum Totengang, einem Netzwerk von Schützengräben aus dem ersten Weltkrieg, eine der gefährlichsten Stellungen. Der Rückweg wurde mir von zwei Begleitern, die sich als Navigatoren ausgaben, gleichzeitig in zwei Versionen erklärt und wir landeten nach einer längeren Irrfahrt wieder sicher am Totengang. So wie in der Geschichte auf den ersten Weltkrieg der zweite folgte.

Die Route 14-18 führt zu vielen Soldatenfriedhöfen, unter anderen in Langemark und in Vladslo mit dem Denkmal „Trauerndes Elternpaar“ von Käthe Kollwitz. Die Friedhöfe und Denkmäler für die rund eine halbe Million gefallener Soldaten verkünden heute die eindeutige Botschaft: Nie wieder Krieg!


Natürlich sind wir auf unseren Exkursionen auch in Dorfkneipen eingekehrt. In Steekerke konnten wir bei der Wirtin unter 120 verschiedenen Biersorten wählen. In Meerbeke wurde Bier in Weinflaschen serviert, die mit festgeschnürten Korken verschlossen waren. Mit über 500 verschiedenen Biersorten (unter anderen testeten wir Stella, Liefmans, Palm, Geuze, Duvel, Tripel, Trappist) hat sich Belgien die Vielfalt mittelalterlicher Bierkultur bewahrt. Die belgischen Brauer verwenden auch nur Naturprodukte wie Kirschen und Himbeeren. Deshalb ist der Gerstensaft manchmal so spritzig wie Champagner oder so edel wie Wein.

 

Einmal wurde ich zu einem Essen in einem Lokal, das an einem Nebenarm der Schelde liegt, eingeladen. Neben dem Parkplatz schwammen zwei Boote auf dem Wasser. Als wir das Restaurant wieder verließen, lagen die Boote im Schlick, das Wasser war verschwunden. Ich hatte Aal in grün verspeist, ein typisches Gericht in Flandern. Zunächst saß ich vor dem, was man mir aufgetischt hatte, und wartete auf den Aal bis ich aufgeklärt wurde, daß der Aal in feinen Stücken in der Soße sei mit der Unmenge diverser Kräuter. Ein populäres Gericht in Belgien sind Moules-frites, Miesmuscheln mit Pommes frites. Wer die belgischen Pommes einmal probiert hat, kann ihnen nie mehr widerstehen. Bei den Einladungen zum Kaffee gab es immer Pralinen, für die Gastgeberin eine moralische Verpflichtung. Über zwölf Kilogramm Pralinen nascht der Belgier im Jahr. Und natürlich erhielt jeder von uns zum Abschied eine Schachtel Pralinen.

 

Die Flamen sind humorvolle Lebensgenießer mit einem ausgeprägten Sinn für Perspektive.  Sie lieben einen burgundischen Lebensstil, komfortables Wohnen und die flämischen Meister in ihren Museen. Flamen gehen gerne auf einen gemütlichen Kurzurlaub im romantischen Deutschland und besuchen hier Ausstellungen und Museen. Deutsche Touristen wiederum weilen gerne an der flämischen Küste den flämischen Kunststädten.

So wurden viele persönliche Freundschaften geschmiedet, Familien gegründet und Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden in Flandern mit deutschen Städten und Gemeinden gegründet. Nun auch eine Städtepartnerschaft zwischen Zele und Cham. 

Diese Städtepartnerschaft muss mehr sein als die Erkundung und Bedienung neuer Absatzmärkte, mehr als nur kultureller Austausch, mehr als die Weiterentwicklung einer Schulpartnerschaft. Sie sollte vor allem das gegenseitige Verständnis zwischen den Bürgern von Cham und Zele fördern durch das Zusammentreffen von Menschen, dem Austausch von Erfahrungen, Ideen und Informationen. Bleibt eine Städtepartnerschaft nur auf der Verwaltungsebene angesiedelt, ist die Erreichung des eigentlichen Ziels, die Einbindung einer breiten Schicht von Bürgern in die städtepartnerschaftlichen Aktivitäten, nicht möglich.


Wir vom FMC müssen das unsrige dazu beitragen, daß die Städtepartnerschaft zwischen Cham und Zele mit Leben gefüllt wird und gelingt.

 

F. Dietmar Wagner

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